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Umweltgerechtigkeit – Definition und Entstehung

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Um tiefer in die unterschiedlichen Bereiche rund um die Umweltproblematik von Plastik einzusteigen, ist es mehr als hilfreich, sich auch das Konzept der Umweltgerechtigkeit zu vergegenwärtigen. Immer wieder werden Bezüge zu diesem Thema entstehen, weshalb ich es euch hier zunächst kurz näherbringen möchte.

Unter Umweltgerechtigkeit versteht man das Prinzip, dass alle Menschen – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder sozialer Stellung – gleichermaßen vor Umweltbelastungen geschützt werden und einen gleichberechtigten Zugang zu einer gesunden Umwelt haben sollten.

Der Begriff entstand zunächst in den USA, wo sich Environmental Justice als Bürger- und Protestbewegung entwickelte. Diese Bewegung richtete sich grob gesagt dagegen, dass ärmere oder gesellschaftlich marginalisierte Gruppen deutlich stärker den Gefahren und Schäden ausgesetzt sind, die aus umweltschädigenden Prozessen resultieren. Das lässt sich in vielen Bereichen anhand konkreter Beispiele belegen. Zur Veranschaulichung sei hier nur eines genannt: Müllverbrennungsanlagen, die stark gesundheitsschädigende Abgase emittieren, sind mit deutlicher Mehrheit in Gegenden angesiedelt, die von Menschen mit geringem Einkommen oder anderen sozial benachteiligten Gruppen bewohnt werden. Die negativen Auswirkungen dessen, wovon die Gesellschaft an anderer Stelle profitiert, werden also höchst ungleich verteilt – so der grundlegende Vorwurf der Umweltgerechtigkeitsbewegung.

Weitere Details lassen sich unter anderem auf der englischen1 oder deutschen2 Wikipedia-Seite nachlesen sowie auf der entsprechenden Seite des Umweltbundesamtes3.

Ein interessanter Unterschied zwischen dem US-amerikanischen und dem deutschen Verständnis von Umweltgerechtigkeit liegt in der Entstehungsgeschichte des Begriffs. Während er in den USA klar aus einer gesellschaftlichen Bewegung heraus entstanden ist, wird Umweltgerechtigkeit in Deutschland eher als Leitbild verstanden, das deutlich später – Anfang der 2000er Jahre – in politischen und institutionellen Zusammenhängen aufgegriffen wurde. Ich erwähne das deshalb, weil die bottom-up-Entstehung in den USA vermutlich ein wichtiger Grund dafür ist, dass der Begriff dort stärker im Alltag verankert ist, häufiger in öffentlichen Debatten auftaucht und auch in juristischen Auseinandersetzungen eine Rolle spielt.
In Deutschland hingegen werden soziale Fragen und Umweltfragen meist getrennt voneinander diskutiert. Allerdings ist auch global betrachtet Umweltgerechtigkeit bislang nur schwach verankert. So haben die Vereinten Nationen erst im Juli 2022 das Recht auf eine saubere, gesunde Umwelt als Menschenrecht anerkannt. Ob diese Entscheidung langfristig zu mehr weltweiter Umweltgerechtigkeit führen wird, bleibt abzuwarten – sie kann jedoch als hoffnungsvolle Grundlage verstanden werden. Gerade im Zusammenhang mit Plastik wird Umweltungerechtigkeit besonders deutlich werden.

Ich werde das Thema Umweltgerechtigkeit in einigen Folgeartikeln noch eingehender betrachten, aber grundlegend immer wieder auf dieses Konzept zurückkommen.

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Environmental_justice ↩︎
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Umweltgerechtigkeit ↩︎
  3. Redaktionsassistenz 1, U. B. A. „Umweltgerechtigkeit – Umwelt, Gesundheit und soziale Lage“. Text. Umweltbundesamt, Umweltbundesamt, 4. April 2013. https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/umweltgerechtigkeit-umwelt-gesundheit-soziale-lage.
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